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August Kopisch

Der Trompeter

Wenn dieser Siegesmarsch in das Ohr mir schallt,
Kaum halt ich da die Thränen mir zurück mit Gewalt.
Mein Kamerad der hat ihn geblasen in der Schlacht,
Auch schönen Mädchen oft als Ständchen gebracht;
5 Auch zuletzt, auch zuletzt in der grimmigsten Noth
Erscholl er ihm vom Munde, bei seinem jähen Tod.
Das war ein Mann von Stahl, ein Mann von echter Art;
Gedenk' ich seiner, rinnet mir die Thrän' in den Bart.
Herr Wirth, noch einen Krug von dem feurigsten Wein!
10 Soll meinem Freund zur Ehr, ja zur Ehr getrunken sein.
Wir hatten musizirt in der Frühlingsnacht
Und kamen zu der Elbe, wie das Eis schon erkracht;
Doch schritten wir mit Lachen darüber, unverwandt,
Ich trug das Horn, und er die Trompet' in der Hand.
15 Da erknarrte das Eis, und es bog, und es brach,
Ihn riß der Strom von dannen, wie der Wind so jach!
Ich konnt' ihn nimmermehr erreichen mit der Hand,
Ich mußte selbst mich retten mit dem Sprung auf den Sand.
Er aber trieb hinab, auf die Scholle gestellt,
20 Und rief: Nun geht die Reis' in die weite, weite Welt!
Drauf setzt' er die Trompet' an den Mund und schwang
Den Schall, daß rings der Himmel und die Erde erklang!
Er schmetterte gewaltig mit vollem Mannesmuth,
Als gält' es eine Jagd mit dem Eis in der Flut.
25 Er trompetete klar, er trompetete rein,
Als ging's mit Vater Blücher nach Paris hinein! –
Da donnerte das Eis, die Scholle sie zerbrach
Und wurde eine bange, bange Stille danach! ...
Das Eis verging im Strom und der Strom in dem Meer –
30 Wer bringt mir meinen Kriegskameraden wieder her?





Entstehungsjahr: vor 1853
Erscheinungsjahr: 1856
Fassung: Andere
Aus: Lieder / Teil V / Vaterländisch 11
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke von August Kopisch, Bd. 1. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin: 1856, S. 353-354.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Der Trompeter , entstanden 1814-1853

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.