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August Kopisch

Der Nöck
(Nordische Sage)

Es tönt des Nöcken Harfenschall:
Da steht der wilde Wasserfall,
    Umschwebt mit Schaum und Wogen
    Den Nöck im Regenbogen.
5         Die Bäume neigen
        Sich tief und schweigen,
Und athmend horcht die Nachtigall. –
»O Nöck, was hilft das Singen dein?
Du kannst ja doch nicht selig sein!
10     Wie kann dein Singen taugen?« –
    Der Nöck erhebt die Augen,
        Sieht an die Kleinen,
        Beginnt zu weinen ...
Und senkt sich in die Flut hinein.
15 Da rauscht und braust der Wasserfall,
Hoch fliegt hinweg die Nachtigall,
    Die Bäume heben mächtig
    Die Häupter, grün und prächtig.
        O weh, es haben
20         Die wilden Knaben
Den Nöck betrübt im Wasserfall!
»Komm wieder Nöck, du singst so schön!
Wer singt, kann in den Himmel gehn!
    Du wirst mit deinem Klingen
25     Zum Paradiese dringen!
        O komm, es haben
        Gescherzt die Knaben:
Komm wieder Nöck, und singe schön!«
Da tönt des Nöcken Harfenschall
30 Und wieder steht der Wasserfall,
    Umschwebt mit Schaum und Wogen
    Den Nöck im Regenbogen.
        Die Bäume neigen
        Sich tief und schweigen,
35 Und athmend horcht die Nachtigall.
Es spielt der Nöck und singt mit Macht
Von Meer und Erd' und Himmelpracht.
    Mit Singen kann er lachen
    Und selig weinen machen! –
40         Der Wald erbebet,
        Die Sonn' entschwebet ...
Er singt bis in die Sternennacht!





Entstehungsjahr: vor 1853
Erscheinungsjahr: 1856
Fassung: Andere
Aus: Lieder / Teil III / Kleine Geister 22
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke von August Kopisch, Bd. 1. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin: 1856, S. 190-191.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Der Nöck , entstanden 1814-1853

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.