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August Kopisch

Der Mäusethurm

Am Mäusethurm, um Mitternacht,
Des Bischofs Hatto Geist erwacht:
Er flieht um die Zinnen im Höllenschein,
Und glühende Mäuslein hinter ihm drein!
5 Der Hungrigen hast du, Hatto, gelacht,
Die Scheuer Gottes zur Hölle gemacht.
Drum ward jedes Körnlein im Speicher dein
Verkehrt in ein nagendes Mäuselein!
Du flohst auf den Rhein in den Inselthurm,
10 Doch hinter dir rauschte der Mäusesturm.
Du schlossest den Thurm mit eherner Thür,
Sie nagten den Stein und drangen herfür.
Sie fraßen die Speise, die Lagerstatt,
Sie fraßen den Tisch dir und wurden nicht satt!
15 Sie fraßen dich selber zu aller Graus,
Und nagten den Namen dein überall aus. –
Fern rudern die Schiffer um Mitternacht,
Wenn schwirrend dein irrender Geist erwacht:
Er flieht um die Zinnen im Höllenschein,
20 Und glühende Mäuslein hinter ihm drein.





Entstehungsjahr: vor 1853
Erscheinungsjahr: 1856
Fassung: Andere
Aus: Lieder / Teil II / Sagen 29
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke von August Kopisch, Bd. 1. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin: 1856, S. 93.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Der Mäuseturm , entstanden 1814-1853

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.