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August Kopisch

Das grüne Thier und der Naturkenner

Die Thadener zu Hanerau sind ausgewitzte Leute:
Wär noch kein Pulver in der Welt, erfänden sie es heute!
                Allein, allein
                So wird es immer sein:
5             Was man zum erstenmal ersicht,
            Kennt selber auch der Klügste nicht!
            Und – wie einmal die Thadner mähn,
            Sie einen grünen Frosch ersehn,
                So grüne, so grüne!
10 So grüne war der liebe Frosch und blähte mit dem Kropfe,
Den Thadnern fiel vor Schreck dabei die Mütze von dem Kopfe.
                Mit Beinen vier
                Ein grünes, grünes Thier!
            Das war für sie zu wunderlich,
15             Zu neu und zu absunderlich!
            Da mußte gleich der Schultheiß her,
            Sollt' sagen, welch ein Thier das wär,
                Das grüne, das grüne!
Das grüne Thier der Schultheiß sah, als einen Hupf es machte –
20 Die Thadner wollten schon davon, da sprach der Alte: sachte!
                Lauft nicht davon,
                Es sitzt und ruhet schon.
            Seid still! und ich erklär es bald:
            Das Thier kommt aus dem grünen Wald,
25             Der grüne Wald ist selber grün,
            Davon ist auch das Thier so grün,
                So grüne, so grüne!
So grüne; denn es lebt darin von eitel grünem Laube,
Und – wenn es nicht ein Hirschbock ist, – ist's eine Turteltaube!
30                 Da hub der Hauf
                Den Schulz mit Schultern auf,
            Sie riefen: das ist unser Mann,
            Der jeglich Ding erklären kann,
            Er kennt und nennt es keck und kühn,
35             Kein Kreatur ist ihm zu grün,
                Zu grüne, zu grüne!





Entstehungsjahr: vor 1853
Erscheinungsjahr: 1856
Fassung: Andere
Aus: Lieder / Teil IV / Scherz und Ernst 15
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke von August Kopisch, Bd. 1. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin: 1856, S. 255-256.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Das grüne Tier und der Naturkenner , entstanden 1814-1853

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.