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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Clemens Brentano (Maria)

[Die Welt war mir zuwider]

Die Welt war mir zuwider
Die Berge lagen auf mir
Der Himmel war mir zu nieder
Ich sehnte mich nach dir, nach dir,
5 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Ich trieb wohl durch die Gassen
Zwei lange Jahre mich
An den Ecken mußt' ich passen
Und harren nur auf dich, auf dich.
10 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Und alle Liebeswunden
Die brachen auf in mir
Als ich dich endlich gefunden
Ich lebt' und starb in dir, in dir!
15 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Ich hab' vor deiner Türe
Die hellgestirnte Nacht,
Daß dich mein Lieben rühre
Oft liebeskrank durchwacht.
20 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Ich gieng nicht zu dem Feste
Trank nicht den edlen Wein
Ertrug den Spott der Gäste
Um nur bei dir zu sein.
25 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Bin zitternd zu dir gekommen
Als wärst du ein Jungfräulein,
Hab' dich in Arm genommen
Als wärst du mein allein, allein.
30 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Wie schlecht du sonst gewesen
Vergaß ich liebend in mir
Und all dein elendes Wesen
Vergab ich herzlich dir ach dir,
35 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Als du mir nackt gegeben
Zur Nacht den kühlen Trank
Vergiftetest du mein Leben,
Da war meine Seele so krank so krank,
40 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Bergab bin ich gegangen
Mit dir zu jeder Stund,
Hab' fest an dir gehangen
Und gieng mit dir zu Grund.
45 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Es hat sich in der Wunde
Die Schlange fest gesaugt
Hat mit dem gift'gen Munde
Den Tod in mich gehaucht.
50 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Und ach in all den Peinen
War ich nur gut und treu
Daß ich mich nannt' den Deinen
Ich nimmermehr bereu', bereu'.
55 O lieb Mädel, wie schlecht bist du!





Entstehungsjahr: um 1812
Erscheinungsjahr: 1852
Aus: Gedichte 1804-1815
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 1968, S. 273-274.
Bemerkungen
Gedicht überarbeitet und mit SUZ versehen.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.