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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Clemens Brentano (Maria)

[Wie so leis die Blätter wehn]

Wie so leis die Blätter wehn
In dem lieben stillen Hain,
Sonne will schon schlafen gehn,
Läßt ihr goldnes Hemdelein
5 Sinken auf den grünen Rasen
Wo die schlanken Hirsche grasen
In dem roten Abendschein.
Gute Nacht, Heiapopeia
Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia.
10 In der Quellen klarer Flut
Treibt kein Fischlein mehr sein Spiel,
Jedes sucht, wo es ruht,
Sein gewöhnlich Ort und Ziel
Und entschlummert überm Lauschen
15 Auf der Wellen leises Rauschen
Zwischen bunten Kieseln kühl.
Gute Nacht, Heiapopeia
Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia.
Schlank schaut auf der Felsenwand
20 Sich die Glockenblume um,
Denn verspätet über Land
Will ein Bienchen mit Gebrumm,
Sich zur Nachtherberge melden
In den zarten blauen Zelten,
25 Schlüpft hinein und wird ganz stumm.
Gute Nacht, Heiapopeia
Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia.
Vöglein, euer schwaches Nest
Ist das Abendlied vollbracht
30 Wird wie eine Burg so fest.
Fromme Vöglein schützt zur Nacht,
Gegen Katz und Marderkrallen,
Die im Schlaf sie überfallen,
Gott, der über alle wacht.
35 Gute Nacht, Heiapopeia
Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia.
Treuer Gott, du bist nicht weit,
Und so ziehn wir ohne Harm
In die wilde Einsamkeit,
40 Aus des Hofes eitelm Schwarm.
Du wirst uns die Hütte bauen,
Daß wir fromm und voll Vertrauen
Sicher ruhn in deinem Arm.
Gute Nacht, Heiapopeia
45 Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia.





Entstehungsjahr: 1816-1819
Erscheinungsjahr: 1923
Aus: Gedichte 1816-1819
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 1968, S. 344-345.
Bemerkungen
Aus "Gockel und Hinkel" Gedicht korrigiert und mit SUZ versehen

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.