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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Annette Freiin von Droste-Hülshoff

Kinder am Ufer

O sieh doch! siehst du nicht die Blumenwolke
Da drüben in dem tiefsten Weiherkolke?
O! das ist schön! hätt' ich nur einen Stecken,
Schmalzweiße Kelch' mit dunkelrothen Flecken,
5 Und jede Glocke ist frisirt so fein
Wie unser wächsern Engelchen im Schrein.
Was meinst du, schneid' ich einen Haselstab,
Und wat' ein wenig in die Furth hinab?
Pah! Frösch' und Hechte können mich nicht schrecken. –
10 Allein, ob nicht vielleicht der Wassermann
Dort in den langen Kräutern hocken kann?
Ich geh, ich gehe schon – ich gehe nicht –
Mich dünkt, ich sah am Grunde ein Gesicht –
Komm lass' uns lieber heim, die Sonne sticht!





Entstehungsjahr: 1842
Erscheinungsjahr: 1844
Aus: Gedichte der Ausgabe von 1844 / Haidebilder / Der Weiher 5
Referenzausgabe:
W. Theiß (Bd. 1) / Kortländer (Bd. 2) / Winfried Woesler (Bd. 4): Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. I,1. Max Niemeyer Verlag, Tübingen: 1978ff., S. 45.
Bemerkungen
Erstdruck in der 2. Auflage der Gedichte von 1844, S. 53-54.
Das Gedicht wird hier als letztes Gedicht des Zyklus »Der Weiher« behandelt, wohingegen die Referenzvorlage anders verfährt und von einem Gedicht »Der Weiher« ausgeht, dem Teilgedichte untergliedert wurden.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.