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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Matthias Claudius

Kriegslied

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
    Und rede du darein!
's ist leider Krieg – und ich begehre
    Nicht schuld daran zu sein!
5 Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
    Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
    Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
10     Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
    In ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
    So glücklich vor dem Krieg,
15 Nun alle elend, alle arme Leute,
    Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
    Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammleten, und mir zu Ehren krähten
20     Von einer Leich herab?
Was hülf' mir Kron und Land und Gold und Ehre?
    Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg – und ich begehre
    Nicht schuld daran zu sein!





Entstehungsjahr: vor 1780
Erscheinungsjahr: 1779
Aus: Asmus IV
Referenzausgabe:
Jost Perfahl: Matthias Claudius. Sämtliche Werke. Winkler-Verlag, München: 1976, S. 236.
Bemerkungen
Erstdruck im Vossischen Musenalmanach, 1779, S. 75,
später im »ASMUS omnia sua SECUM portans oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten«, Teil IV, S. 143-144.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.