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[Andere Fassung]

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Der Herbstgang
Für Christian Rudolf Boie
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Die Bäume stehn der Frucht entladen, |
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Und gelbes Laub verweht ins Tal; |
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Das Stoppelfeld in Schimmerfaden |
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Erglänzt am niedern Mittagsstrahl. |
| 5 |
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Es kreist der Vögel Schwarm und ziehet, |
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Das Vieh verlangt zum Stall und fliehet |
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Die magern Aun, vom Reife fahl. |
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Oh, geh am sanften Scheidetage |
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Des Jahrs zu guter Letzt hinaus |
| 10 |
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Und nenn ihn Sommertag und trage |
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Den letzten, schwer gefundnen Strauß. |
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Bald steigt Gewölk und schwarz dahinter |
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Der Sturm und sein Genoß, der Winter, |
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Und hüllt in Flocken Feld und Haus. |
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| 15 |
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Ein weiser Mann, ihr Lieben, haschet |
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Die Freuden im Vorüberfliehn, |
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Empfängt, was kommt, unüberraschet |
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Und pflückt die Blumen, weil sie blühn; |
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Und sind die Blumen auch verschwunden, |
| 20 |
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So steht am Winterherd umwunden |
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Sein Festpokal mit Immergrün. |
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Noch trocken führt durch Tal und Hügel |
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Der längstvertraute Sommerpfad. |
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Nur rötlich hängt am Wasserspiegel |
| 25 |
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Der Baum, den grün ihr neulich saht. |
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Doch grünt der Kamp von Winterkorne; |
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Doch grünt beim Rot der Hagedorne |
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Und Spillbeern unsre Lagerstatt! |
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So still an warmer Sonne liegend, |
| 30 |
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Sehn wir das bunte Feld hinan |
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Und dort, auf schwarzer Brache pflügend, |
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Mit Luftgepfeif, den Ackermann; |
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Die Krähn in frischer Furche schwärmen |
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Dem Pfluge nach und schrein und lärmen, |
| 35 |
 |
Und dampfend zieht das Gaulgespann. |
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Natur, wie schön in jedem Kleide! |
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Auch noch im Sterbekleid wie schön! |
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Sie mischt in Wehmut sanfte Freude, |
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Und lächelt tränend noch im Gehn. |
| 40 |
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Du, welkes Laub, das niederschauert, |
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Du Blümchen, lispelst: Nicht getrauert! |
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Wir werden schöner auferstehn! |
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[Andere Fassung]

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Der Herbstgang
Für Christian Rudolf Boie
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Die Bäume stehn der Frucht entladen, |
|
Und gelbes Laub verweht ins Thal; |
|
Das Stoppelfeld in Schimmerfaden |
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Erglänzt am niedern Mittagsstral. |
| 5 |
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Es kreist der Vögel Schwarm und ziehet; |
|
Das Vieh verlangt zum Stall, und fliehet |
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Die magern Aun, vom Reife fahl. |
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O geh am sanften Scheidetage |
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Des Jahrs zu guter Lezt hinaus, |
| 10 |
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Und nenn’ ihn Sommertag, und trage |
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Den lezten schwer gefundnen Strauß. |
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Bald steigt Gewölk, und schwarz dahinter |
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Der Sturm, und sein Genoß, der Winter, |
|
Und hüllt in Flocken Feld und Haus. |
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| 15 |
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Ein weiser Mann, ihr Lieben, haschet |
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Die Freuden im Vorüberfliehn, |
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Empfängt, was kommt, unüberraschet, |
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Und pflückt die Blumen, weil sie blühn. |
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Und sind die Blumen auch verschwunden: |
| 20 |
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So steht am Winterheerd’ umwunden |
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Sein Festpokal mit Immergrün. |
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Noch trocken führt durch Thal und Hügel |
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Der längstvertraute Sommerpfad. |
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Nur röthlich hängt am Wasserspiegel |
| 25 |
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Der Baum, den grün ihr neulich saht. |
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Doch grünt der Kamp von Winterkorne; |
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Doch grünt, beim Roth der Hagedorne |
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Und Spillbeern, unsre Lagerstatt! |
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So still an warmer Sonne liegend, |
| 30 |
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Sehn wir das bunte Feld hinan, |
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Und dort, auf schwarzer Brache pflügend, |
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Mit Lustgepfeif, den Ackermann: |
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Die Krähn in frischer Furche schwärmen |
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Dem Pfluge nach, und schrein und lärmen; |
| 35 |
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Und dampfend zieht das Gaulgespann. |
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Natur, wie schön in jedem Kleide! |
|
Auch noch im Sterbekleid wie schön! |
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Sie mischt in Wehmut sanfte Freude, |
|
Und lächelt thränend noch im Gehn. |
| 40 |
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Du, welkes Laub, das niederschauert, |
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Du, Blümchen, lispelst: Nicht getrauert! |
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Wir werden schöner auferstehn! |
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| Entstehungsjahr: |
1794 |
| Erscheinungsjahr: |
1802 |
| Fassung: |
Andere |
| Aus: |
/ Oden, Lieder, vermischte Gedichte
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Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber:
Voss. Werke in einem Band.
Aufbau-Verlag: 1972,
S. 249-250.
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Bemerkungen
Die Referenzvorlage liefert hier in Vers 32 »Luftgepfeif«, wohingegen wohl richtig ist »Lustgepfeif«, wie es auch die andere Fassung ediert.
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| Entstehungsjahr: |
1794 |
| Erscheinungsjahr: |
1802 |
| Fassung: |
Andere |
| Aus: |
Oden und Lieder
/ IV. Buch
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Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber:
Sämtliche Gedichte von Johann Heinrich Voss, Bd. 5.
Herbert Lang & Cie: 1969,
S. 7-9.
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