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Die Flucht Karls I.
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Einer voraus mit verwilderten Locken, |
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Finster das Antlitz, den Hut überschneit, |
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Sprengende Reiter und wirbelnde Flocken! |
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Ist es Verfolgung? Ist es ein Geleit? |
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Karl ist’s, der König, mit wenig Genossen, |
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Und vor dem Feind zu dem Feind muß er flieh’n; |
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Seit er das Blut seines Volkes vergossen, |
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Sprengt an zerschmetterndem Abgrund er hin. |
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Das ist die Schuld der erschütternden Zeiten, |
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Welche das Fieber des Werdens durchglüht, |
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Die mit dem eigenen Volk ihn entzweiten, |
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Die ihn entzweit mit dem eig’nen Gemüth. |
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Seinem Gefolge von Dienern und Spähern |
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Eilt der unmuthige König zuvor; |
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Neblicht die Thürme von Newport sich nähern |
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Sieht er, und reitet gemach durch das Thor. |
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Durch die geschäftigen, summenden Straßen |
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Zieht er die reinlichen Häuser entlang; |
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Aber sein Werkzeug hat Keiner verlassen, |
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Keiner geschmückt sich zu Gruß und Empfang. |
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Trotzig, wie grollende Republikaner, |
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Haben die Bürger an ihn kein Gesuch, |
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Dort in der Werkstatt klopft ein Puritaner, – |
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Dieser verwünscht ihn mit biblischem Fluch. |
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Ist sie vergessen die heimische Sitte, |
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Daß ihm das Mädchen, am schönsten erblüht, |
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Reiche die Rose mit festlichem Schritte, |
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Wenn an dem Markte vorüber er zieht? |
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Keine der stattlichen brittischen Frauen |
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Tritt ihm entgegen, den Strauß in der Hand, |
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Selbst aus dem Erker mag keine mehr schauen, |
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Seit er mit Krieg überzogen sein Land. |
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Auch nicht ein einziges Zeichen der Liebe, |
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Sonnig kein Lächeln, kein Wimpel das wallt! |
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Alles ist düster und Alles ist trübe, |
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Himmel und Menschen verschlossen und kalt. |
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Ruhig durchschreitet der König die Stille; |
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Aber im Innern zerreißt ihn der Schmerz, |
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Und seines Volkes entfremdeter Wille |
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Preßt, eine eiserne Faust, ihm das Herz. |
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Wie er die letzte der Straßen durchritten, |
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Tritt aus dem letzten verödeten Haus, |
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Dunkel gekleidet, mit ängstlichen Schritten |
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Eilig ein schüchternes Mädchen heraus. |
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Schmächtig und bleich, nicht die Schönste von Allen, |
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Und mit wie traurigen Augen sie blickt! |
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Ist für den König der Vater gefallen? |
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Hat sie die weinende Mutter geschickt? |
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Unter dem Tüchlein hervor weht das lose |
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Haar in dem Wind, doch es kümmert sie nicht, |
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Und dem sich neigenden König die Rose |
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Reicht sie, verbeugt sich und flüstert und spricht: |
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»Nimm es, das unter dem Schnee sich geröthet, |
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»Nimm es, das Röschen, zum Reisegeleit, |
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»Das sich im Garten versteckt und verspätet, |
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»Daß es uns tröste zur traurigen Zeit ... |
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»Herr, nach den alten, den guten Gebräuchen |
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»Reich’ ich die Rose von Newport dir dar; |
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»Möge, der Zahl ihrer Blätter zu gleichen, |
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»Wonniglich reihen sich Jahr dir an Jahr!« |
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Karl nimmt das Röschen und dankt der Getreuen, |
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Welche den Spruch nicht, den alten, vergaß; |
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Aber im Herzen kann er sich nicht freuen, |
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Und sein beschattetes Auge wird naß. |
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Sachte den Renner von hinnen nun lenkend, |
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Und an sein eig’nes verlassenes Kind |
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Und an sein Weib, das geflüchtete, denkend, |
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Birgt er im Busen die Rose geschwind: |
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»Rose, was soll dein Geleit mir bedeuten, |
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»Und dein so schimmernd entfaltetes Roth? |
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»Darf ich noch glauben an glückliche Zeiten, |
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»Oder weissagst du mir blutigen Tod?« |