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[Frühe Fassung]


Wandrers Nachtlied

Der du von dem Himmel bist
Alle Freud und Schmerzen stillest,
Den der doppelt elend ist
Doppelt mit Erquickung füllest,
5 Ach ich bin des Treibens müde!
Was soll all die Qual und Lust.
Süßer Friede,
Komm ach komm in meine Brust!
             Am Hang des Ettersberg
10                  d. 12. Febr. 76
                     G.
[Späte Fassung]


Wandrers Nachtlied

Der du vom Himmel bist
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
5 Ach! ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede!
Komm, ach komm in meine Brust!

Entstehungsjahr: 1776
Erscheinungsjahr: 1780
Fassung: Frühe
Aus: Persönlicher Kreis / Frau von Stein
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Klassiker-Verlag: 1987, S. 229.
Bemerkungen
Erstdruck »Christliches Magazin«, hg. v. J. C.Pfenninger, Bd. 3, I. Stück, Zürich 1780, dort noch unter dem Titel »Um Frieden«.

Entstehungsjahr: 1776
Erscheinungsjahr: 1789
Fassung: Späte
Aus: Vermischte Gedichte / Erste Sammlung
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 300.
Bemerkungen
Entgegen der landläufigen Interpretation ist folgende Idee aufgekommen:
Die ersten vier Verse des Gedichtes beschreiben den Menschen in dem ewigen Hin und Her von Leid und Schmerz auf der einen Seite und der göttlichen Erquickung auf der anderen Seite. In den folgenden vier Versen wird mit »Treiben« auf dieses Oszillieren verwiesen. Der Ausweg aus dem Fallen und von Gott-Aufgerichtet-Werden soll durch den Frieden endlich vom lyrischen Ich genommen werden. Der Friede als nicht transzendente Macht enthebt sozusagen in ein gefühlloses Nirvana und befreit den Menschen und Gott aus der Pflicht.