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Johann Christoph Friedrich von Schiller
Das Glück
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Selig, welchen die Götter, die gnädigen, vor der Geburt schon |
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Liebten, welchen als Kind Venus im Arme gewiegt, |
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Welchem Phöbus die Augen, die Lippen Hermes gelöset, |
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Und das Siegel der Macht Zeus auf die Stirne gedrückt! |
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Ein erhabenes Los, ein göttliches, ist ihm gefallen, |
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Schon vor des Kampfes Beginn sind ihm die Schläfe bekränzt. |
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Ihm ist, eh er es lebte, das volle Leben gerechnet, |
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Eh er die Mühe bestand, hat er die Charis erlangt. |
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Groß zwar nenn' ich den Mann, der sein eigner Bildner und Schöpfer |
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Durch der Tugend Gewalt selber die Parze bezwingt, |
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Aber nicht erzwingt er das Glück und was ihm die Charis |
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Neidisch geweigert, erringt nimmer der strebende Mut. |
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Vor Unwürdigem kann dich der Wille, der ernste bewahren, |
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Alles Höchste, es kommt frei von den Göttern herab. |
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Wie die Geliebte dich liebt, so kommen die himmlischen Gaben, |
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Oben in Jupiters Reich herrscht wie in Amors die Gunst. |
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Neigungen haben die Götter, sie lieben der grünenden Jugend |
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Lockigte Scheitel, es zieht Freude die Fröhlichen an. |
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Nicht der Sehende wird von ihrer Erscheinung beseligt, |
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Ihrer Herrlichkeit Glanz hat nur der Blinde geschaut; |
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Gern erwählen sie sich der Einfalt kindliche Seele, |
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In das bescheidne Gefäß schließen sie göttliches ein. |
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Ungehofft sind sie da, und täuschen die stolze Erwartung, |
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Keines Bannes Gewalt zwinget die Freien herab. |
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Wem er geneigt, dem sendet der Vater der Menschen und Götter |
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Seinen Adler herab, trägt ihn zu himmlischen Höhn, |
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Unter die Menge greift er mit Eigenwillen, und welches |
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Haupt ihm gefället, um das flicht er mit liebender Hand |
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Jetzt den Lorbeer und jetzt die Herrschaftgebende Binde, |
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Krönte doch selber den Gott nur das gewogene Glück. |
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Vor dem Glücklichen her tritt Phöbus, der pythische Sieger, |
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Und der die Herzen bezwingt, Amor, der lächelnde Gott. |
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Vor ihm ebnet Poseidon das Meer, sanft gleitet des Schiffes |
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Kiel, das den Cäsar führt und sein allmächtiges Glück, |
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Ihm zu Füßen legt sich der Leu, das brausende Delphin |
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Steigt aus den Tiefen und fromm beut es den Rücken ihm an. |
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Zürne dem Glücklichen nicht, daß den leichten Sieg ihm die Götter |
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Schenken, daß aus der Schlacht Venus den Liebling entrückt, |
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Ihn, den die lächelnde rettet, den Göttergeliebten beneid' ich, |
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Jenen nicht, dem sie mit Nacht deckt den verdunkelten Blick. |
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War er weniger herrlich, Achilles, weil ihm Hephästos |
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Selbst geschmiedet den Schild und das verderbliche Schwert, |
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Weil um den sterblichen Mann der große Olimp sich beweget? |
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Das verherrlichet ihn, daß ihn die Götter geliebt, |
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Daß sie sein Zürnen geehrt, und Ruhm dem Liebling zu geben, |
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Hellas bestes Geschlecht stürzten zum Orkus hinab. |
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Zürne der Schönheit nicht, daß sie schön ist, daß sie verdienstlos |
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Wie der Lilie Kelch prangt durch der Venus Geschenk, |
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Laß sie die glückliche sein, du schaust sie, du bist der Beglückte, |
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Wie sie ohne Verdienst glänzt, so entzücket sie dich. |
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Freue dich, daß die Gabe des Lieds vom Himmel herabkommt, |
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Daß der Sänger dir singt, was ihn die Muse gelehrt, |
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Weil der Gott ihn beseelt, so wird er dem Hörer zum Gotte, |
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Weil er der glückliche ist, kannst du der selige sein. |
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Auf dem geschäftigen Markt da führe Themis die Waage, |
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Und es messe der Lohn streng an der Mühe sich ab, |
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Aber die Freude ruft nur ein Gott auf sterbliche Wangen, |
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Wo kein Wunder geschieht, ist kein Beglückter zu sehn. |
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Alles Menschliche muß erst werden und wachsen und reifen, |
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Und von Gestalt zu Gestalt führt es die bildende Zeit, |
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Aber das Glückliche siehest du nicht, das Schöne nicht werden, |
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Fertig von Ewigkeit her steht es vollendet vor dir. |
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Jede irdische Venus ersteht wie die erste des Himmels, |
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Eine dunkle Geburt aus dem unendlichen Meer, |
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Wie die erste Minerva so tritt mit der Aegis gerüstet |
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Aus des Donnerers Haupt jeder Gedanke des Lichts. |