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Gottfried Keller
Frühlingsglaube
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Es wandert eine schöne Sage |
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Wie Veilchenduft auf Erden um, |
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Wie sehnend eine Liebesklage |
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Geht sie bei Tag und Nacht herum. |
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Das ist das Lied vom Völkerfrieden |
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Und von der Menschheit letztem Glück, |
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Von goldner Zeit, die einst hienieden, |
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Der Traum als Wahrheit, kehrt zurück. |
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Wo einig alle Völker beten |
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Zum Einen König, Gott und Hirt: |
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Von jenem Tag, wo den Propheten |
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Ihr leuchtend Recht gesprochen wird. |
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Dann wird's nur Eine Schmach noch geben, |
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Nur eine Sünde in der Welt: |
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Des Eigen-Neides Widerstreben, |
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Der es für Traum und Wahnsinn hält. |
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Wer jene Hoffnung gab verloren |
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Und böslich sie verloren gab, |
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Der wäre besser ungeboren: |
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Denn lebend wohnt er schon im Grab. |