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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

Ehescheidung

Zum Pfäffel kam ein Pärchen und schrie:
Geschwinde laßt uns frei'n!
Wir können nicht eine einzige Stund'
Mehr ohne einander sein!
5 Und aber ein Jährlein kaum verstrich,
Sie liefen herbei und schrie'n:
Herr Pfarrer, trennt und scheidet uns,
Laßt keine Minute verzieh'n!
Das Pfäfflein runzelte sich und sprach:
10 Macht euch die Scham nicht rot?
Wir haben es alle Drei beschwor'n:
Euch trenne nur der Tod!
Rot macht die Scham, doch Reue bleich!
Herr Pfarrer, gebt uns frei!
15 Der Mann bot einen Beutel dar,
Die Frau der Beutel zwei.
Da tat das Pfäffel zwischen sie
Ein Kätzelein, heil und ganz;
Der Mann, der hielt es bei dem Kopf,
20 Die Frau hielt es am Schwanz.
Der Pfaff mit großem Messer hieb
Das Kätzelein entzwei:
»Es trennt, es trennt, es trennt der Tod!«
Da waren sie wieder frei.





Entstehungsjahr: vor 1855
Erscheinungsjahr: 1854
Fassung: Frühe
Aus: Neuere Gedichte 1854 / Romanzen
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 273-274.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Ehescheidung (Amerikanisch) , entstanden vor 1889

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.