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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

Ehescheidung (Amerikanisch)

Zum Pfäffel kam ein Pärchen und schrie:
Geschwind und laßt uns frei'n!
Wir können keinen einzigen Tag
Mehr ohne einander sein!
5 Und aber ein Jährlein kaum verstrich,
Sie liefen herbei und schrie'n:
Herr Pfarrer, trennt und scheidet uns,
Laßt keine Stunde flieh'n!
Das Pfäfflein runzelte sich und sprach:
10 Macht euch die Scham nicht rot?
Wir haben es alle drei gelobt,
Euch trenne nur der Tod!
Rot macht die Scham, doch Reue blaß!
Herr Pfarrer, gebt uns frei!
15 Der Mann bot einen Dollar dar,
Die Frau der Dollars zwei.
Da tat das Pfäffel zwischen sie
Ein Kätzlein, heil und ganz;
Der Mann der hielt es bei dem Kopf,
20 Die Frau hielt es am Schwanz.
Mit seinem Küchenmesser schnitt
Der Pfarr die Katz' entzwei:
»Es trennt, es trennt, es trennt der Tod!«
Da waren sie wieder frei.





Entstehungsjahr: vor 1889
Erscheinungsjahr: 1888
Fassung: Späte
Aus: Gesammelte Gedichte 1888 / XI. Vermischte Gedichte
Referenzausgabe:
Kai Kauffmann: Gottfried Keller. Gedichte, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1995, S. 698.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Ehescheidung , entstanden vor 1855

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.