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Johann Heinrich Voss (Voß)
Der Herbstgang
Für Christian Rudolf Boie
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Die Bäume stehn der Frucht entladen, |
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Und gelbes Laub verweht ins Thal; |
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Das Stoppelfeld in Schimmerfaden |
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Erglänzt am niedern Mittagsstral. |
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Es kreist der Vögel Schwarm und ziehet; |
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Das Vieh verlangt zum Stall, und fliehet |
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Die magern Aun, vom Reife fahl. |
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O geh am sanften Scheidetage |
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Des Jahrs zu guter Lezt hinaus, |
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Und nenn’ ihn Sommertag, und trage |
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Den lezten schwer gefundnen Strauß. |
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Bald steigt Gewölk, und schwarz dahinter |
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Der Sturm, und sein Genoß, der Winter, |
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Und hüllt in Flocken Feld und Haus. |
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Ein weiser Mann, ihr Lieben, haschet |
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Die Freuden im Vorüberfliehn, |
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Empfängt, was kommt, unüberraschet, |
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Und pflückt die Blumen, weil sie blühn. |
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Und sind die Blumen auch verschwunden: |
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So steht am Winterheerd’ umwunden |
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Sein Festpokal mit Immergrün. |
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Noch trocken führt durch Thal und Hügel |
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Der längstvertraute Sommerpfad. |
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Nur röthlich hängt am Wasserspiegel |
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Der Baum, den grün ihr neulich saht. |
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Doch grünt der Kamp von Winterkorne; |
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Doch grünt, beim Roth der Hagedorne |
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Und Spillbeern, unsre Lagerstatt! |
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So still an warmer Sonne liegend, |
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Sehn wir das bunte Feld hinan, |
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Und dort, auf schwarzer Brache pflügend, |
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Mit Lustgepfeif, den Ackermann: |
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Die Krähn in frischer Furche schwärmen |
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Dem Pfluge nach, und schrein und lärmen; |
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Und dampfend zieht das Gaulgespann. |
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Natur, wie schön in jedem Kleide! |
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Auch noch im Sterbekleid wie schön! |
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Sie mischt in Wehmut sanfte Freude, |
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Und lächelt thränend noch im Gehn. |
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Du, welkes Laub, das niederschauert, |
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Du, Blümchen, lispelst: Nicht getrauert! |
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Wir werden schöner auferstehn! |