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Conrad Ferdinand Meyer
Über einem Grabe
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Blüten schweben über deinem Grabe, |
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Schnell umarmte dich der Tod, o Knabe, |
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Den wir Alle liebten, die dich kannten, |
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Dessen Augen wie zwei Sonnen brannten. |
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Dessen Pulse stark und feurig schlugen – |
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Den wir gestern hier zu Grabe trugen. |
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Maiennacht. Der Sterne mildes Schweigen ... |
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Dort ... ich seh’ es aus der Erde steigen, |
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Unterm Rasen quillt hervor es leise, |
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Flatterflammen drehen sich im Kreise, |
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Ungelebtes Leben zuckt und lodert |
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Aus der Körperkraft, die hier vermodert, |
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Abgemäh’ter Jugend letztes Walten, |
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Letzte Glut verraucht in Wunschgestalten, |
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Eine blasse Jagd. |
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Zuerst ein Zecher, |
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In der Faust den überfüllten Becher ... |
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Weh’nde Locken will der Buhle fassen, |
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Die entflatternd nicht sich haschen lassen, |
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Lustgestachelt ras’t er hinter jenen ... |
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Ein verhülltes Mädchen folgt in Thränen ... |
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Wagen rollen, muthge Schiffer fahren |
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Durch die Brandung mit verstürmten Haaren ... |
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Helmbedeckt, das lichte Schwert erhoben, |
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Seh ich einen jungen Krieger toben ... |
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Einen Menschenhaufen führt der Kühne |
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Dort und stürzt sich auf die Rednerbühne ... |
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Ein Gedräng, ein Kämpfen, Ringen, Streben, |
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Arme strecken sich und Kränze schweben. |
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Kränze, bleicher Knabe, dir beschieden, |
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Die du nicht erreichtest. |
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Schlaf in Frieden! |