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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Christian Morgenstern

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.
5 »Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?
Ist die Staatskunst anzuklagen
10 in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?
Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
15 umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«
Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
20 Wagen durften dort nicht fahren!
Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf





Entstehungsjahr: 1909
Erscheinungsjahr: 1910
Fassung: Andere
Aus: Gedichte / Palmström
Referenzausgabe:
Gundula Mueller: Alle Galgenlieder. Insel Verlag, Frankfurt. a. Main: 1964, S. 165-166.
Bemerkungen
Erstdruck 1910 in der Erstauflage von »Palmström«, S. 11
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Die unmögliche Tatsache , entstanden 1909

Gedicht eingearbeitet von: Gretel Steiner.