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Johann Wolfgang von Goethe
Einladung
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Musst nicht vor dem Tage fliehen: |
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Denn der Tag den du ereilest |
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Ist nicht besser als der heut'ge; |
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Aber wenn du froh verweilest |
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Wo ich mir die Welt beseit'ge |
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Um die Welt an mich zu ziehen, |
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Bist du gleich mit mir geborgen. |
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Heut ist heute, morgen morgen, |
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Und was folgt und was vergangen |
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Reisst nicht hin und bleibt nicht hangen. |
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Bleibe du, mein Allerliebstes, |
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Denn du bringst es und du giebst es. |
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Dass Suleika von Jussuff entzückt war |
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Ist keine Kunst. |
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Er war jung, Jugend hat Gunst, |
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Er war schön, sie sagen zum Entzücken, |
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Schön war sie, konnten einander beglücken. |
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Aber dass du, die so lange mir erharrt war, |
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Feurige Jugendblicke mir schickst, |
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Jetzt mich liebst, mich später beglückst, |
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Das sollen meine Lieder preissen |
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Sollst mir ewig Suleika heißen. |
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Da du nun Suleika heissest |
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Sollt ich auch benamset seyn, |
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Wenn du deinen Geliebten preisest, |
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Hatem! das soll der Name seyn. |
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Nur dass man mich daran erkennet, |
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Keine Anmassung soll es seyn; |
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Wer sich St: Georgenritter nennet |
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Denkt nicht gleich Sanct Georg zu seyn. |
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Nicht Hatem Thai, nicht der Alles Gebende |
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Kann ich in meiner Armuth seyn, |
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Hatem Zograi nicht, der reichlichst Lebende |
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Von allen Dichtern, möcht' ich seyn. |
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Aber beyde doch im Auge zu haben |
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Es wird nicht ganz verwerflich seyn: |
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Zu nehmen, zu geben des Glückes Gaben |
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Wird immer ein gross Vergnügen seyn. |
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Sich liebend aneinander zu laben |
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Wird Paradieses Wonne seyn. |