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[Frühe Fassung]


[Was heiß aus meiner Seele fleht]

Was heiß aus meiner Seele fleht,
Und bang in diesen Zeilen steht
Das soll dich nicht betrüben
Die Liebe hat es ausgesäet
5 Die Liebe hat hindurchgeweht,
Die Liebe hat's getrieben.
Und ist dies Feld einst abgemäht,
Arm Lindi durch die Stoppeln geht,
Sucht Ähren, die geblieben,
10 Sucht Lieb', die mit ihr untergeht,
Sucht Lieb', die mit ihr aufersteht,
Sucht Lieb', die ich mußt' lieben!
[Späte Fassung]


[Was reif in diesen Zeilen steht]

Was reif in diesen Zeilen steht,
Was lächelnd winkt und sinnend fleht,
Das soll kein Kind betrüben,
Die Einfalt hat es ausgesäet,
5 Die Schwermut hat hindurchgeweht,
Die Sehnsucht hat's getrieben;
Und ist das Feld einst abgemäht,
Die Armut durch die Stoppeln geht,
Sucht Ähren, die geblieben,
10 Sucht Lieb', die für sie untergeht,
Sucht Lieb', die mit ihr aufersteht,
Sucht Lieb', die sie kann lieben,
Und hat sie einsam und verschmäht
Die Nacht durch dankend in Gebet
15 Die Körner ausgerieben,
Liest sie, als früh der Hahn gekräht,
Was Lieb' erhielt, was Leid verweht,
Ans Feldkreuz angeschrieben,
O Stern und Blume, Geist und Kleid,
20 Lieb', Leid und Zeit und Ewigkeit!

Entstehungsjahr: 1834
Erscheinungsjahr: 1921
Fassung: Frühe
Aus: Gedichte 1834-1842
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 1968, S. 546.
Bemerkungen
Aus einem Brief an Emilie Linder nach Karlsbad am 7.Juni 1834; vgl. Fassung : "Was reif in diesen Zeilen steht". Gedicht überarbeitet und mit SUZ versehen

Entstehungsjahr: um 1834
Erscheinungsjahr: 1838
Fassung: Späte
Aus: Gedichte 1834-1842
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 1968, S. 619.
Bemerkungen
Aus: Gockel Hinkel Gackeleia, Märchen, Frankfurt a.M. 1838; Bearbeitung der Fassung für Emilie Linder