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[Frühe Fassung]

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Elegie
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Sei mir gegrüßt mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel, |
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Sei mir Sonne gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint, |
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Dich auch grüß ich lachende Flur, euch säuselnde Linden, |
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Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt, |
| 5 |
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Ruhige Bläue dich auch, die unermeßlich sich ausgießt |
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Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald, |
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Auch um mich, der endlich entflohen des Zimmers Gefängnis |
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Und dem engen Gespräch freudig sich rettet zu dir, |
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Deiner Lüfte balsamischer Strom durchrinnt mich erquickend, |
| 10 |
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Und den durstigen Blick labt das energische Licht, |
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Kräftig brennen auf blühender Au die wechselnden Farben, |
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Aber der reizende Streit löset in Wohllaut sich auf, |
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Frei, mit weithin verbreitetem Teppich empfängt mich die Wiese, |
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Durch ihr freundliches Grün schlingt sich der ländliche Pfad, |
| 15 |
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Um mich summen geschäftige Bienen, mit zweifelndem Flügel |
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Wiegt der Schmetterling sich über dem rötlichten Klee. |
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Durch die Lüfte spinnt sich der Sonnenfaden, und zeichnet |
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Einen farbigten Weg weit in den Himmel hinauf, |
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Glühend trifft mich der Sonne Pfeil, still liegen die Weste, |
| 20 |
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Nur der Lerche Gesang wirbelt in heiterer Luft. |
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Doch jetzt brausts aus dem nahen Gebüsch, tief neigen der Erlen |
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Kronen sich, und im Wind wogt das versilberte Gras, |
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Mich umfängt ambrosische Nacht; in duftende Kühlung |
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Nimmt ein prächtiges Dach schattender Buchen mich ein, |
| 25 |
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In des Waldes Geheimnis entflieht mir auf einmal die Landschaft, |
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Und ein mystischer Pfad leitet mich steigend empor. |
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Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter |
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Sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein. |
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Aber plötzlich zerreißt die Hülle. Der geöffnete Wald gibt |
| 30 |
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Überraschend des Tags blendendem Glanz mich zurück. |
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Unabsehbar ergießt sich vor meinen Blicken die Ferne, |
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Und ein blaues Gebirg endigt im Dufte die Welt. |
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Tief an des Berges Fuß, der gählings unter mir abstürzt, |
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Wallet des grünlichten Stroms fließender Spiegel vorbei. |
| 35 |
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Unter mir seh ich endlos den Äther, über mir endlos, |
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Blicke mit Schwindeln hinauf, blicke mit Schaudern hinab, |
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Aber zwischen der ewigen Höh und der ewigen Tiefe |
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Trägt ein geländerter Steig sicher den Wandrer dahin. |
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Lachend fliehen an mir die reichen Ufer vorüber, |
| 40 |
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Und den fröhlichen Fleiß rühmet das prangende Tal. |
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Jene Linien, die des Landmanns Eigentum scheiden, |
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In den Teppich der Flur hat sie Demeter gewirkt. |
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Freundliche Schrift des Gesetzes, des Menschenerhaltenden Gottes, |
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Seit aus der ehernen Welt fliehend die Liebe verschwand, |
| 45 |
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Aber in freieren Schlangen durchkreuzt die geregelten Felder |
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Jetzt verschlungen vom Wald, jetzt an den Bergen hinauf |
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Klimmend, ein schimmernder Streif, die Länder verknüpfende Straße, |
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Auf dem ebenen Strom gleiten die Flöße dahin, |
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Vielfach ertönt der Herden Geläut im belebten Gefilde, |
| 50 |
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Und den Widerhall weckt einsam des Hirten Gesang, |
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Muntre Dörfer bekränzen den Strom, in Gebüschen verschwinden |
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Andre, vom Rücken des Bergs stürzen sie gäh dort herab, |
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Nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen, |
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Seine Felder umruhn friedlich sein ländliches Dach, |
| 55 |
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Traulich rankt sich der Weinstock empor an dem niedrigen Fenster, |
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Einen umarmenden Zweig schlingt um die Hütte der Baum, |
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Glückliches Volk der Gefilde! Noch nicht zur Freiheit erwachet, |
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Teilst du mit deiner Flur fröhlich das enge Gesetz. |
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Deine Wünsche beschränkt der Ernten ruhiger Kreislauf, |
| 60 |
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Gleich, wie dein Tagewerk, windet dein Leben sich ab: |
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Aber wer raubt mir auf einmal den lieblichen Anblick? Ein fremder |
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Geist verbreitet sich schnell über die fremdere Flur! |
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Spröde sondert sich ab, was kaum noch liebend sich mischte, |
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Und das Gleiche nur ist's, was an das Gleiche sich reiht. |
| 65 |
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Stände seh ich gebildet, der Pappeln stolze Geschlechter |
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Ziehn in geordnetem Pomp vornehm und prächtig daher, |
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Unbemerkt entfliehet dem Blick die einzelne Staude, |
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Leiht nur dem Ganzen, empfängt nur von dem Ganzen den Reiz. |
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Regel wird alles, und alles wird Wahl und alles Bedeutung, |
| 70 |
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Dieses Dienergefolg meldet den Herrscher mir an, |
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Majestätisch verkündigen ihn die beleuchteten Kuppeln, |
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Aus dem felsigten Kern hebt sich die türmende Stadt. |
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In die Wildnis hinaus sind des Waldes Faunen verstoßen, |
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Aber die Andacht leiht höheres Leben dem Stein. |
| 75 |
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Näher gerückt ist der Mensch an den Menschen. Enger wird um ihn |
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Reger erwacht, es umwälzt rascher sich in ihm die Welt. |
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Sieh, da entbrennen in feurigem Kampf die eifernden Kräfte, |
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Großes wirket ihr Streit, größeres wirket ihr Bund. |
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Tausend Hände belebt Ein Geist, in tausend Brüsten |
| 80 |
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Schlägt, von Einem Gefühl glühend, ein einziges Herz, |
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Schlägt für das Vaterland und glüht für der Ahnen Gesetze, |
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Hier auf dem teuren Grund ruht ihr verehrtes Gebein. |
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Von dem Himmel steigen die seligen Götter, und nehmen |
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In dem geweihten Bezirk festliche Wohnungen ein, |
| 85 |
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Herrliche Gaben bescherend erscheinen sie; Ceres vor allen |
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Bringet des Pfluges Geschenk, Hermes den Anker herbei, |
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Bacchus die Traube, Minerva des Ölbaums grünende Reiser, |
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Auch das kriegrische Roß führet Poseidon heran, |
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Mutter Cybele spannt an des Wagens Deichsel die Löwen, |
| 90 |
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In das gastliche Tor zieht sie als Bürgerin ein. |
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Heilige Steine! Aus euch ergossen sich Pflanzer der Menschheit, |
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Fernen Inseln des Meers sandtet ihr Sitten und Kunst, |
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Weise sprachen das Recht an diesen geselligen Toren, |
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Helden stürzten zum Kampf für die Penaten heraus. |
| 95 |
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Auf den Mauren erschienen, den Säugling im Arme, die Mütter, |
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Blickten dem Heerzug nach, bis ihn die Ferne verschlang. |
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Betend stürzten sie dann vor der Götter Altären sich nieder, |
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Flehten um Ruhm und Sieg, flehten um Rückkehr für euch. |
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Ehre ward euch und Sieg, doch nur der Ruhm kam zurücke, |
| 100 |
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Eurer Taten Verdienst meldet der rührende Stein: |
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»Wanderer, kommst du nach Sparta, gib Kunde dorten, du habest |
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Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl« |
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Ruhet sanft ihr Teuren! Von eurem Blute begossen |
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Grünet der Ölbaum, es keimt lustig die köstliche Saat. |
| 105 |
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Munter entbrennt, des Eigentums froh, das freie Gewerbe, |
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Aus dem Schilfe des Stroms winket der bläulichte Gott. |
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Zischend fliegt in den Baum die Axt, es erseufzt die Dryade, |
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Hoch von des Berges Haupt stürzt sich die donnernde Last. |
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Aus dem Bruche wiegt sich der Fels, vom Hebel beflügelt, |
| 110 |
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In der Gebirge Schlucht taucht sich der Bergmann hinab. |
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Mulcibers Amboß ertönt von dem Takt geschwungener Hämmer, |
|
Unter der nervigten Faust sprützen die Funken des Stahls, |
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Glänzend umwindet der goldene Lein die tanzende Spindel, |
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Durch die Saiten des Garns sauset das webende Schiff, |
| 115 |
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Fern auf der Reede ruft der Pilot, es warten die Flotten, |
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Die in der Fremdlinge Land tragen den heimischen Fleiß, |
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Andre ziehn frohlockend dort ein, mit den Gaben der Ferne, |
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Hoch von dem türmenden Mast wehet der festliche Kranz. |
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Siehe da wimmeln von fröhlichem Leben die Krane, die Märkte, |
| 120 |
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Seltsamer Sprachen Gewirr braust in das wundernde Ohr. |
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Auf den Stapel schüttet die Ernten der Erde der Kaufmann, |
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Was dem glühenden Strahl Afrikas Boden gebiert, |
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Was Arabien kocht, was die äußerste Thule bereitet, |
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Hoch mit erfreuendem Gut füllt Amalthea das Horn. |
| 125 |
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Da gebiert dem Talente das Glück die göttlichen Kinder, |
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Von der Freiheit gesäugt wachsen die Künste empor, |
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Mit nachahmendem Leben erfreuet der Bildner die Augen, |
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Und von Dädal beseelt redet das fühlende Holz, |
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Künstliche Himmel ruhn auf schlanken ionischen Säulen |
| 130 |
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Und den ganzen Olymp schließet ein Pantheon ein, |
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Leicht wie der Iris Sprung durch die Luft, wie der Pfeil von der Senne |
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Hüpfet der Brücke Joch über den brausenden Strom. |
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Aber im stillen Gemache zeichnet bedeutende Zirkel |
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Sinnend der Weise, beschleicht forschend den schaffenden Geist, |
| 135 |
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Prüft der Elemente Gewalt auf versuchender Waage, |
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Folgt durch die Lüfte dem Klang, folgt durch den Äther dem Strahl, |
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Sucht das vertraute Gesetz in des Zufalls grausenden Wundern, |
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Sucht den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht. |
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Körper und Stimme leiht dem stummen Gedanken die Presse, |
| 140 |
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Durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt. |
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Da zerrinnt vor dem wundernden Blick der Nebel des Wahnes |
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Und die Gebilde der Nacht weichen dem tagenden Licht. |
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Seine Fesseln zerbricht der Mensch. Der Beglückte! Zerriß er |
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Mit den Fesseln der Furcht nur nicht den Zügel der Scham! |
| 145 |
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Freiheit heischt die Vernunft, nach Freiheit rufen die Sinne, |
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Beiden ist der Natur züchtiger Gürtel zu eng. |
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Ach, da reißen im Sturme die Anker, die an dem Ufer |
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Warnend ihn hielten, ihn faßt mächtig der flutende Strom, |
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Ins Unendliche reißt er ihn hin, die Küste verschwindet, |
| 150 |
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Hoch auf der Fluten Gebirg wieget sich mastlos der Kahn, |
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Hinter Wolken erlöschen des Wagens beharrliche Sterne, |
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Bleibend ist nichts mehr, es irrt selbst in dem Busen der Gott. |
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Unnatürlich tritt die Begier aus den ewigen Schranken, |
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Lüsterne Willkür vermischt, was die Notwendigkeit schied, |
| 155 |
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Aus dem Gespräche verschwindet die Wahrheit, die heilige Treue |
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Aus dem Leben, es lügt selbst auf der Lippe der Schwur. |
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Ihren Schleier zerreißt die Scham, Asträa die Binde, |
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Und der freche Gelust spottet der Nemesis Zaum, |
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In der Herzen vertraulichsten Bund, in der Liebe Geheimnis |
| 160 |
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Drängt sich der Sykophant, reißt von dem Freunde den Freund, |
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Auf die Unschuld schielt der Verrat mit verschlingendem Blicke, |
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Mit vergiftendem Biß tötet des Lästerers Zahn. |
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Feil ist in der geschändeten Brust der Gedanke, die Liebe |
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Wirft des freien Gefühls göttliches Vorrecht hinweg, |
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| 165 |
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Keine Zeichen mehr findet die Wahrheit, verpraßt hat sie alle |
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Alle der Trug, der Natur köstlichste Töne entehrt, |
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Die das Sprachbedürftige Herz in der Freude erfindet, |
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Kaum gibt wahres Gefühl noch durch Verstummen sich kund, |
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Leben wähnst du noch immer zu sehn, dich Täuschen die Züge, |
| 170 |
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Hohl ist die Schale, der Geist ist aus dem Leichnam geflohn. |
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Auf der Tribune prahlet das Recht, in der Hütte die Eintracht, |
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Des Gesetzes Gespenst steht an der Könige Thron, |
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Lange Jahre, Jahrhunderte mag die Mumie dauren |
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Mag der Sitten, des Staats kernlose Hülse bestehn, |
| 175 |
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Bis die Natur erwacht, und mit schweren ehernen Händen |
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An das hohle Gebäu rühret die Not und die Zeit, |
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Bis, verlassen zugleich von dem Führer von außen und innen, |
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Von der Gefühle Geleit, von der Erkenntnisse Licht, |
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Eine Tygerin, die das eiserne Gitter durchbrochen, |
| 180 |
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Und des numidischen Walds plötzlich und schrecklich gedenkt, |
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Aufsteht mit des Verbrechens Wut und des Elends die Menschheit, |
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Und in der Asche der Stadt sucht die verlorne Natur. |
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O so öffnet euch Mauren, und gebt den Gefangenen ledig, |
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Zu der verlassenen Flur kehr er gerettet zurück! |
| 185 |
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Weit von dem Menschen fliehe der Mensch! Dem Sohn der Verändrung |
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Darf der Veränderung Sohn nimmer und nimmer sich nahn, |
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Nimmer der Freie den Freien zum bildenden Führer sich nehmen, |
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Nur was in ruhiger Form sicher und ewig besteht. |
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Aber wo bin ich? Es birgt sich der Pfad. Abschüssige Gründe |
| 190 |
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Hemmen mit gähnender Kluft vorwärts und rückwärts den Schritt. |
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Hinter mir blieb der Gärten, der Hecken vertraute Begleitung, |
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Hinter mir jegliche Spur menschlicher Hände zurück. |
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Nur die Stoffe seh ich getürmt, aus welchen das Leben |
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Keimet, der rohe Basalt hofft auf die bildende Hand, |
| 195 |
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Brausend stürzet der Gießbach herab durch die Rinne des Felsen |
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Unter den Wurzeln des Baums bricht er entrüstet sich Bahn. |
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Wild ist es hier und schauerlich öd'. Im einsamen Luftraum |
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Hängt nur der Adler, und knüpft an das Gewölke die Welt. |
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Hoch herauf bis zu mir trägt keines Windes Gefieder |
| 200 |
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Den verlorenen Schall menschlicher Arbeit und Lust. |
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Bin ich wirklich allein? In deinen Armen, an deinem |
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Herzen wieder, Natur, ach! und es war nur ein Traum, |
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Der mit des Lebens furchtbarem Bild mich schaudernd ergriffen, |
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Mit dem stürzenden Tal stürzte der finstre hinab. |
| 205 |
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Reiner von deinem reinen Altare nehm ich mein Leben, |
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Nehme den fröhlichen Mut hoffender Jugend zurück! |
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Ewig wechselt der Wille den Zweck und die Regel, in ewig |
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Wiederholter Gestalt wälzen die Taten sich um. |
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Aber jugendlich immer, in immer veränderter Schöne |
| 210 |
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Ehrst du, fromme Natur, züchtig das alte Gesetz, |
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Immer dieselbe, bewahrst du in treuen Händen dem Manne, |
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Was dir das gaukelnde Kind, was dir der Jüngling vertraut, |
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Wiegest auf gleichem Mutterschoße die wechselnden Alter; |
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Unter demselben Blau, über dem nehmlichen Grün |
| 215 |
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Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter, |
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Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns. |
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[Späte Fassung]

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Der Spaziergang
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Sei mir gegrüßt mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel, |
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Sei mir Sonne gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint, |
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Dich auch grüß ich belebte Flur, euch säuselnde Linden, |
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Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt, |
| 5 |
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Ruhige Bläue dich auch, die unermeßlich sich ausgießt |
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Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald, |
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Auch um mich, der endlich entflohn des Zimmers Gefängnis |
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Und dem engen Gespräch freudig sich rettet zu dir. |
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Deiner Lüfte balsamischer Strom durchrinnt mich erquickend, |
| 10 |
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Und den durstigen Blick labt das energische Licht, |
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Kräftig auf blühender Au erglänzen die wechselnden Farben, |
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Aber der reizende Streit löset in Anmut sich auf, |
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Frei empfängt mich die Wiese mit weithin verbreitetem Teppich, |
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Durch ihr freundliches Grün schlingt sich der ländliche Pfad, |
| 15 |
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Um mich summt die geschäftige Bien', mit zweifelndem Flügel |
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Wiegt der Schmetterling sich über dem rötlichten Klee, |
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Glühend trifft mich der Sonne Pfeil, still liegen die Weste, |
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Nur der Lerche Gesang wirbelt in heiterer Luft. |
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Doch jetzt braust's aus dem nahen Gebüsch, tief neigen der Erlen |
| 20 |
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Kronen sich, und im Wind wogt das versilberte Gras, |
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Mich umfängt ambrosische Nacht; in duftende Kühlung |
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Nimmt ein prächtiges Dach schattender Buchen mich ein, |
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In des Waldes Geheimnis entflieht mir auf einmal die Landschaft, |
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Und ein schlängelnder Pfad leitet mich steigend empor. |
| 25 |
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Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter |
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Sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein. |
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Aber plötzlich zerreißt der Flor. Der geöffnete Wald gibt |
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Überraschend des Tags blendendem Glanz mich zurück. |
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Unabsehbar ergießt sich vor meinen Blicken die Ferne, |
| 30 |
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Und ein blaues Gebirg endigt im Dufte die Welt. |
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Tief an des Berges Fuß, der gählings unter mir abstürzt, |
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Wallet des grünlichten Stroms fließender Spiegel vorbei. |
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Endlos unter mir seh' ich den Äther, über mir endlos, |
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Blicke mit Schwindeln hinauf, blicke mit Schaudern hinab, |
| 35 |
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Aber zwischen der ewigen Höh' und der ewigen Tiefe |
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Trägt ein geländerter Steig sicher den Wandrer dahin. |
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Lachend fliehen an mir die reichen Ufer vorüber, |
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Und den fröhlichen Fleiß rühmet das prangende Tal. |
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Jene Linien, sieh! die des Landmanns Eigentum scheiden, |
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In den Teppich der Flur hat sie Demeter gewirkt. |
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Freundliche Schrift des Gesetzes, des Menschenerhaltenden Gottes, |
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Seit aus der ehernen Welt fliehend die Liebe verschwand, |
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Aber in freieren Schlangen durchkreuzt die geregelten Felder, |
|
Jetzt verschlungen vom Wald, jetzt an den Bergen hinauf |
| 45 |
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Klimmend, ein schimmernder Streif, die Länder verknüpfende Straße, |
|
Auf dem ebenen Strom gleiten die Flöße dahin. |
|
Vielfach ertönt der Herden Geläut im belebten Gefilde, |
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Und den Widerhall weckt einsam des Hirten Gesang. |
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Muntre Dörfer bekränzen den Strom, in Gebüschen verschwinden |
| 50 |
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Andre, vom Rücken des Bergs stürzen sie gäh dort herab. |
|
Nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen, |
|
Seine Felder umruhn friedlich sein ländliches Dach, |
|
Traulich rankt sich die Reb' empor an dem niedrigen Fenster, |
|
Einen umarmenden Zweig schlingt um die Hütte der Baum. |
| 55 |
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Glückliches Volk der Gefilde! Noch nicht zur Freiheit erwachet, |
|
Teilst du mit deiner Flur fröhlich das enge Gesetz. |
|
Deine Wünsche beschränkt der Ernten ruhiger Kreislauf, |
|
Wie dein Tagewerk, gleich, windet dein Leben sich ab! |
|
Aber wer raubt mir auf einmal den lieblichen Anblick? Ein fremder |
| 60 |
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Geist verbreitet sich schnell über die fremdere Flur! |
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Spröde sondert sich ab, was kaum noch liebend sich mischte, |
|
Und das Gleiche nur ist's, was an das Gleiche sich reiht. |
|
Stände seh ich gebildet, der Pappeln stolze Geschlechter |
|
Ziehn in geordnetem Pomp vornehm und prächtig daher, |
| 65 |
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Regel wird alles, und alles wird Wahl und alles Bedeutung, |
|
Dieses Dienergefolg meldet den Herrscher mir an. |
|
Prangend verkündigen ihn von fern die beleuchteten Kuppeln, |
|
Aus dem felsigten Kern hebt sich die türmende Stadt. |
|
In die Wildnis hinaus sind des Waldes Faunen verstoßen, |
| 70 |
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Aber die Andacht leiht höheres Leben dem Stein. |
|
Näher gerückt ist der Mensch an den Menschen. Enger wird um ihn, |
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Reger erwacht, es umwälzt rascher sich in ihm die Welt. |
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Sieh, da entbrennen in feurigem Kampf die eifernden Kräfte, |
|
Großes wirket ihr Streit, größeres wirket ihr Bund. |
| 75 |
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Tausend Hände belebt Ein Geist, hoch schläget in tausend |
|
Brüsten, von einem Gefühl glühend, ein einziges Herz, |
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Schlägt für das Vaterland und glüht für der Ahnen Gesetze, |
|
Hier auf dem teuren Grund ruht ihr verehrtes Gebein. |
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Nieder steigen vom Himmel die seligen Götter und nehmen |
| 80 |
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In dem geweihten Bezirk festliche Wohnungen ein, |
|
Herrliche Gaben bescherend erscheinen sie; Ceres vor allen |
|
Bringet des Pfluges Geschenk, Hermes den Anker herbei, |
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Bacchus die Traube, Minerva des Ölbaums grünende Reiser, |
|
Auch das kriegrische Roß führet Poseidon heran, |
| 85 |
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Mutter Cybele spannt an des Wagens Deichsel die Löwen, |
|
In das gastliche Tor zieht sie als Bürgerin ein. |
|
Heilige Steine! Aus euch ergossen sich Pflanzer der Menschheit, |
|
Fernen Inseln des Meers sandtet ihr Sitten und Kunst, |
|
Weise sprachen das Recht an diesen geselligen Toren, |
| 90 |
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Helden stürzten zum Kampf für die Penaten heraus. |
|
Auf den Mauren erschienen, den Säugling im Arme, die Mütter, |
|
Blickten dem Heerzug nach, bis ihn die Ferne verschlang. |
|
Betend stürzten sie dann vor der Götter Altären sich nieder, |
|
Flehten um Ruhm und Sieg, flehten um Rückkehr für euch. |
| 95 |
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Ehre ward euch und Sieg, doch der Ruhm nur kehrte zurücke, |
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Eurer Taten Verdienst meldet der rührende Stein: |
|
»Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest |
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Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.« |
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Ruhet sanft ihr Geliebten! Von eurem Blute begossen |
| 100 |
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Grünet der Ölbaum, es keimt lustig die köstliche Saat. |
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Munter entbrennt, des Eigentums froh, das freie Gewerbe, |
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Aus dem Schilfe des Stroms winket der bläulichte Gott. |
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Zischend fliegt in den Baum die Axt, es erseufzt die Dryade, |
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Hoch von des Berges Haupt stürzt sich die donnernde Last. |
| 105 |
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Aus dem Felsbruch wiegt sich der Stein, vom Hebel beflügelt, |
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In der Gebirge Schlucht taucht sich der Bergmann hinab. |
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Mulcibers Amboß tönt von dem Takt geschwungener Hämmer, |
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Unter der nervigten Faust sprützen die Funken des Stahls, |
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Glänzend umwindet der goldene Lein die tanzende Spindel, |
| 110 |
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Durch die Saiten des Garns sauset das webende Schiff. |
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Fern auf der Reede ruft der Pilot, es warten die Flotten, |
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Die in der Fremdlinge Land tragen den heimischen Fleiß, |
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Andre ziehn frohlockend dort ein, mit den Gaben der Ferne, |
|
Hoch von dem ragenden Mast wehet der festliche Kranz. |
| 115 |
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Siehe, da wimmeln die Märkte, der Kran von fröhlichem Leben, |
|
Seltsamer Sprachen Gewirr braust in das wundernde Ohr. |
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Auf den Stapel schüttet die Ernten der Erde der Kaufmann, |
|
Was dem glühenden Strahl Afrikas Boden gebiert, |
|
Was Arabien kocht, was die äußerste Thule bereitet, |
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Hoch mit erfreuendem Gut füllt Amalthea das Horn. |
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Da gebieret das Glück dem Talente die göttlichen Kinder, |
|
Von der Freiheit gesäugt wachsen die Künste der Lust. |
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Mit nachahmendem Leben erfreuet der Bildner die Augen, |
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Und vom Meißel beseelt redet der fühlende Stein, |
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Künstliche Himmel ruhn auf schlanken ionischen Säulen, |
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Und den ganzen Olymp schließet ein Pantheon ein, |
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Leicht wie der Iris Sprung durch die Luft, wie der Pfeil von der Senne |
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Hüpfet der Brücke Joch über den brausenden Strom. |
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Aber im stillen Gemach entwirft bedeutende Zirkel |
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Sinnend der Weise, beschleicht forschend den schaffenden Geist, |
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Prüft der Stoffe Gewalt, der Magnete Hassen und Lieben, |
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Folgt durch die Lüfte dem Klang, folgt durch den Äther dem Strahl, |
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Sucht das vertraute Gesetz in des Zufalls grausenden Wundern, |
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Sucht den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht. |
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Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, |
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Durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt. |
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Da zerrinnt vor dem wundernden Blick der Nebel des Wahnes, |
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Und die Gebilde der Nacht weichen dem tagenden Licht. |
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Seine Fesseln zerbricht der Mensch. Der Beglückte! Zerriß er |
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Mit den Fesseln der Furcht nur nicht den Zügel der Scham! |
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Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde, |
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Von der heil'gen Natur ringen sie lüstern sich los. |
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Ach, da reißen im Sturm die Anker, die an dem Ufer |
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Warnend ihn hielten, ihn faßt mächtig der flutende Strom, |
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Ins Unendliche reißt er ihn hin, die Küste verschwindet, |
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Hoch auf der Fluten Gebirg wiegt sich entmastet der Kahn, |
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Hinter Wolken erlöschen des Wagens beharrliche Sterne, |
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Bleibend ist nichts mehr, es irrt selbst in dem Busen der Gott. |
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Aus dem Gespräche verschwindet die Wahrheit, Glauben und Treue |
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Aus dem Leben, es lügt selbst auf der Lippe der Schwur. |
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In der Herzen vertraulichsten Bund, in der Liebe Geheimnis |
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Drängt sich der Sykophant, reißt von dem Freunde den Freund, |
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Auf die Unschuld schielt der Verrat mit verschlingendem Blicke, |
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Mit vergiftendem Biß tötet des Lästerers Zahn. |
| 155 |
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Feil ist in der geschändeten Brust der Gedanke, die Liebe |
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Wirft des freien Gefühls göttlichen Adel hinweg, |
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Deiner heiligen Zeichen, o Wahrheit, hat der Betrug sich |
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Angemaßt, der Natur köstlichste Stimmen entweiht, |
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Die das bedürftige Herz in der Freude Drang sich erfindet, |
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Kaum gibt wahres Gefühl noch durch Verstummen sich kund. |
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Auf der Tribüne prahlet das Recht, in der Hütte die Eintracht, |
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Des Gesetzes Gespenst steht an der Könige Thron. |
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Jahre lang mag, Jahrhundertelang die Mumie dauern, |
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Mag das trügende Bild lebender Fülle bestehn, |
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Bis die Natur erwacht, und mit schweren ehernen Händen |
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An das hohle Gebäu rühret die Not und die Zeit, |
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Einer Tigerin gleich, die das eiserne Gitter durchbrochen |
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Und des numidischen Wald's plötzlich und schrecklich gedenkt, |
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Aufsteht mit des Verbrechens Wut und des Elends die Menschheit, |
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Und in der Asche der Stadt sucht die verlorne Natur. |
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O so öffnet euch Mauren, und gebt den Gefangenen ledig, |
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Zu der verlassenen Flur kehr' er gerettet zurück! |
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Aber wo bin ich? Es birgt sich der Pfad. Abschüssige Gründe |
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Hemmen mit gähnender Kluft hinter mir, vor mir den Schritt. |
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Hinter mir blieb der Gärten, der Hecken vertraute Begleitung, |
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Hinter mir jegliche Spur menschlicher Hände zurück. |
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Nur die Stoffe seh' ich getürmt, aus welchen das Leben |
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Keimet, der rohe Basalt hofft auf die bildende Hand. |
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Brausend stürzt der Gießbach herab durch die Rinne des Felsen, |
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Unter den Wurzeln des Baums bricht er entrüstet sich Bahn. |
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Wild ist es hier und schauerlich öd'. Im einsamen Luftraum |
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Hängt nur der Adler, und knüpft an das Gewölke die Welt. |
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Hoch herauf bis zu mir trägt keines Windes Gefieder |
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Den verlorenen Schall menschlicher Mühen und Lust. |
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Bin ich wirklich allein? In deinen Armen, an deinem |
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Herzen wieder, Natur, ach! und es war nur ein Traum, |
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Der mich schaudernd ergriff, mit des Lebens furchtbarem Bilde, |
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Mit dem stürzenden Tal stürzte der finstre hinab. |
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Reiner nehm' ich mein Leben von deinem reinen Altare, |
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Nehme den fröhlichen Mut hoffender Jugend zurück! |
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Ewig wechselt der Wille den Zweck und die Regel, in ewig |
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Wiederholter Gestalt wälzen die Taten sich um. |
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Aber jugendlich immer, in immer veränderter Schöne |
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Ehrst du, fromme Natur, züchtig das alte Gesetz, |
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Immer dieselbe, bewahrst du in treuen Händen dem Manne, |
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Was dir das gaukelnde Kind, was dir der Jüngling vertraut, |
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Nährest an gleicher Brust die vielfach wechselnden Alter; |
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Unter demselben Blau, über dem nämlichen Grün |
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Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter, |
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Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns. |
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