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[Andere Fassung]


[Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden]

Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden,
Geht endlich arm, zerrüttet, unbeschuht;
Dies edle Haupt hat nicht mehr, wo es ruht,
Mit Tränen netzet sie der Füße Wunden.
5 Ach, Peregrinen hab' ich so gefunden!
Schön war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut,
Noch scherzend in der Frühlingsstürme Wut,
Und wilde Kränze in das Haar gewunden.
War's möglich, solche Schönheit zu verlassen?
10 – So kehrt nur reizender das alte Glück!
O komm, in diese Arme dich zu fassen!
Doch weh! o weh! was soll mir dieser Blick?
Sie küßt mich zwischen Lieben noch und Hassen,
Sie kehrt sich ab, und kehrt mir nie zurück.
[Andere Fassung]


Und wieder

Die treuste Liebe steht am Pfahl gebunden,
Geht endlich arm, verlassen, unbeschuht,
Dies kranke Haupt hat nicht mehr, wo es ruht,
Mit ihren Tränen netzt sie bittre Wunden.
5 Ach, Peregrinen hab' ich so gefunden!
Wie Fieber wallte ihrer Wangen Glut,
Sie scherzte mit der Frühlings-Stürme Wut,
Verwelkte Kränze in das Haar gewunden.
Wie, solche Schönheit konnt' ich einst verlassen?
10 – So kehrt nun doppelt schön das alte Glück!
O komm! in diese Arme dich zu fassen!
Doch wehe! welche Miene, welch ein Blick?
Sie küßt mich zwischen Lieben, zwischen Hassen,
Und wendet sich und – kehrt mir nie zurück.
[Andere Fassung]


Verzweifelte Liebe
Sonett

Die Liebe, sagt man, wird am Pfahl gebunden,
    Geht endlich arm, verlassen, unbeschuht;
    Dies edle Haupt hat nicht mehr, wo es ruht.
Mit ihren Tränen netzt sie ihre Wunden.
5 So hab auch ich die Liebe jüngst gefunden;
    Schön war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut,
    Noch scherzend in der Frühlingsstürme Wut
Und wilde Kränze in das Haar gewunden.
Wie? solche Schönheit konnt ich einst verlassen?
10 So kommt nun doppelt schön das alte Glück!
O komm, in diese Arme dich zu fassen!
    Doch wehe! welche Miene, welch ein Blick!
Sie küßt mich zwischen Lieben, zwischen Hassen, –
    Sie kehrt sich ab und – kehrt mir nie zurück!

Entstehungsjahr: 1828
Erscheinungsjahr: 1829
Fassung: Andere
Aus: Gedichte / Peregrina 5
Referenzausgabe:
Gustav Keyßner: Eduard Mörikes Sämtliche Werke. Deutsche Verlags-Anstalt: o. J., S. 38.

Entstehungsjahr: 1828
Erscheinungsjahr: 1832
Fassung: Andere
Aus: Maler Nolten
Referenzausgabe:
Gustav Keyßner: Eduard Mörikes Sämtliche Werke. Deutsche Verlags-Anstalt: o. J., S. 338.

Entstehungsjahr: 1344
Erscheinungsjahr: 1829
Fassung: Andere
Aus: Ein Liederheft
Referenzausgabe:
Gerhart Baumann: Eduard Mörike. Sämtliche Werke in zwei in sich abgeschlossenen Bänden, Bd. 1. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart: 1954, S. 18-19.