Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
Nur ein Gedicht pro Seite anzeigen.

[Frühe Fassung]


Das Unverzeihliche

Wenn ihr Freunde vergeßt, wenn ihr den Künstler höhnt,
  Und den tieferen Geist klein und gemein versteht,
    Gott vergibt es, doch stört nur
      Nie den Frieden der Liebenden.
[Späte Fassung]


Die Liebe

Wenn ihr Freunde vergeßt, wenn ihr die Euern all,
  O ihr Dankbaren, sie, euere Dichter schmäht,
    Gott vergeb' es, doch ehret
      Nur die Seele der Liebenden.
5 Denn o saget, wo lebt menschliches Leben sonst,
  Da die knechtische jetzt alles, die Sorge zwingt?
    Darum wandelt der Gott auch
      Sorglos über dem Haupt uns längst.
Doch, wie immer das Jahr kalt und gesanglos ist
10   Zur beschiedenen Zeit, aber aus weißem Feld
    Grüne Halme doch sprossen,
      Oft ein einsamer Vogel singt,
Wenn sich mählig der Wald dehnet, der Strom sich regt,
  Schon die mildere Luft leise von Mittag weht
15     Zur erlesenen Stunde,
      So ein Zeichen der schönern Zeit,
Die wir glauben, erwächst einziggenügsam noch,
  Einzig edel und fromm über dem ehernen,
    Wilden Boden die Liebe,
20       Gottes Tochter, von ihm allein.
Sei gesegnet, o sei, himmlische Pflanze, mir
  Mit Gesange gepflegt, wenn des ätherischen
    Nektars Kräfte dich nähren,
      Und der schöpfrische Strahl dich reift.
25 Wachs und werde zum Wald! eine beseeltere,
  Vollentblühende Welt! Sprache der Liebenden
    Sei die Sprache des Landes,
      Ihre Seele der Laut des Volks!

Entstehungsjahr: 1798
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Frühe
Aus: / Gedichte 1796-1798
Referenzausgabe:
Jochen Schmidt: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte und Hyperion. Insel-Verlag: 1999, S. 201.

Entstehungsjahr: 1800
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Späte
Aus: / Gedichte 1800-1805
Referenzausgabe:
Jochen Schmidt: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte und Hyperion. Insel-Verlag: 1999, S. 246.