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[Frühe Fassung]


[Der Morgen lächelte zu meinem Glücke]

Der Morgen lächelte zu meinem Glücke,
Als aus der Flut Palladios Tempel stiegen:
Die Säulengänge sah ich vor mir liegen,
Die Signoria mit der Seufzerbrücke.
5 Geflügelt steht, doch ohne Falsch und Tücke,
Venedigs Löwe, sonst gewohnt zu siegen,
Entgegen scheint er unserm Schiff zu fliegen,
Und die Lagune weicht im Flug zurücke.
Ich steig ans Land, wo zwo Kolonnen ragen,
10 Wie Riesen an des Markusplatzes Schwellen:
Soll ich ihn wirklich zu betreten wagen?
Mit mir im Haupte trag ich aus den Wellen
Des Schiffes Schwindel noch und Mißbehagen,
Und diese Massen drohn mich zu zerschellen.
[Späte Fassung]


[Mein Auge ließ das hohe Meer zurücke]

Mein Auge ließ das hohe Meer zurücke,
    Als aus der Flut Palladios Tempel stiegen,
    An deren Staffeln sich die Wellen schmiegen,
    Die uns getragen ohne Falsch und Tücke.
5 Wir landen an, wir danken es dem Glücke,
    Und die Lagune scheint zurück zu fliegen,
    Der Dogen alte Säulengänge liegen
    Vor uns gigantisch mit der Seufzerbrücke.
Venedigs Löwen, sonst Venedigs Wonne,
10     Mit ehrnen Flügeln sehen wir ihn ragen
    Auf seiner kolossalischen Kolonne.
Ich steig ans Land, nicht ohne Furcht und Zagen,
    Da glänzt der Markusplatz im Licht der Sonne:
    Soll ich ihn wirklich zu betreten wagen?

Entstehungsjahr: 1824
Erscheinungsjahr: 1825
Fassung: Frühe
Aus: Anhang / Sonette
Referenzausgabe:
Kurt Wölfel / Jürgen Link: August von Platen. Werke, Bd. 1. Winkler-Verlag: 1982, S. 862.

Entstehungsjahr: 1824
Erscheinungsjahr: 1825
Fassung: Späte
Aus: Nach der Ausgabe von 1834 / Sonette 18 / Venedig 1
Referenzausgabe:
Kurt Wölfel / Jürgen Link: August von Platen. Werke, Bd. 1. Winkler-Verlag: 1982, S. 377-378.