Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
Nur ein Gedicht pro Seite anzeigen.

[Frühe Fassung]


Neujahrsgeläute

     Durch das heil’ge Dunkel
     Wallt der Töne Reigen,
Unter dem der Erde Gräber,
Über dem die Sterne schweigen.
5      Wie des Feldes Halme
     Weht der Wind die Klänge,
Nun ein Sterben und Verdröhnen,
Nun ein schwellendes Gedränge!
     Das sind große Heere,
10      Nicht ein einzler Rufer,
Ein melodisches Geheimniß
Flutet ohne Strand und Ufer!
     Eine leichte Welle,
     Sinkt die flücht’ge Stunde –
15 Horch, Unendlichkeit – sie redet
Hallend rings mit eh’rnem Munde!
[Späte Fassung]


Neujahrsglocken

In den Lüften schwellendes Gedröhne,
Leicht wie Halme beugt der Wind die Töne:
Leis verhallen, die zum ersten riefen,
Neu Geläute hebt sich aus den Tiefen.
5 Große Heere, nicht ein einzler Rufer!
Wohllaut flutet ohne Strand und Ufer.

Entstehungsjahr: 1876
Erscheinungsjahr: 1877
Fassung: Frühe
Aus: Apparat zur Abteilung II. der Gedichte
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 2. Benteli-Verlag: 1964, S. 397.

Entstehungsjahr: vor 1876
Erscheinungsjahr: 1883
Fassung: Späte
Aus: Gedichte von 1892 / II. Stunde
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 101.