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[Andere Fassung]


Das tote Kind

Es hat den Garten sich zum Freund gemacht,
Dann welkten es und er im Herbste sacht,
Die Sonne ging und es und er entschlief,
Gehüllt in eine Decke weiß und tief.
5 Jetzt ist der Garten unversehns erwacht,
Die Kleine schlummert fest in ihrer Nacht.
»Wo steckst du?« summt es dort und summt es hier.
Der ganze Garten frägt nach ihr, nach ihr.
Die blaue Winde klettert schlank empor
10 Und blickt ins Haus: »Komm hinterm Schrank hervor!
Wo birgst du dich? Du tust dir's selbst zu leid!
Was hast du für ein neues Sommerkleid?«
[Andere Fassung]


Das todte Kind

Der Garten war in Schlaf gebannt,
Als man das schwarze Tuch gespannt,
Es lag der Schnee noch hoch genug,
Da man das Kind zu Grabe trug.
5 Nun wehn die Lüfte wieder lau,
Der Himmel leuchtet wieder blau,
Der Springbrunn plätschert hin und her
Wo weilst du, Kindchen? plaudert er.
Die duft’ge Winde klettert schwank
10 Empor und blickt ins Fenster schlank:
Herzkindchen, wo verbirgst du dich?
Die Blumen drunten schicken mich!
Im Garten summt es weit und breit:
Was hast du für ein Sommerkleid?
15 Komm schnell aus deinem Kämmerlein
Und sieh den schönen Sonnenschein.

Entstehungsjahr: um 1862
Erscheinungsjahr: 1869
Fassung: Andere
Aus: Gedichte von 1892 / II. Stunde
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 57.

Entstehungsjahr: um 1862
Erscheinungsjahr: 1869
Fassung: Andere
Aus: Gedichte / Apparat zu Abteilung II. Stunde
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 2. Benteli-Verlag: 1964, S. 252-253.