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Jung gewohnt, alt getan
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Die Schenke dröhnt, und an dem langen Tisch |
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Ragt Kopf an Kopf verkommener Gesellen; |
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Man pfeift, man lacht; Geschrei, Fluch und Gezisch |
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Ertönte an des Bieres trüben Wellen. |
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In dieser Wüste glänzt ein weißes Brot, |
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Sah man es an, so ward dem Herzen besser; |
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Sie drehten eifrig d'raus ein schwarzes Schrot |
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Und wischten d'ran die blinden Schenkemesser. |
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Doch Einem, der da mit den Andern schrie, |
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Fiel unter'n Tisch des Brots ein kleiner Bissen; |
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Schnell fuhr er nieder, wo sich Knie an Knie |
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Gebogen drängte in den Finsternissen. |
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Dort sucht' er selbstvergessen nach dem Brot; |
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Doch da begann's rings um ihn zu rumoren, |
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Sie brachten mit den Füßen ihn in Not |
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Und schrie'n erbos't: Was, Kerl! hast du verloren? |
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Errötend taucht' er aus dem dunklen Graus |
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Und barg das Brötchen in des Tischtuchs Falten. |
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Er sann und sah sein ehrlich Vaterhaus |
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Und einer edlen Mutter strenges Walten. |
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Nach Jahren aber saß derselbe Mann |
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Bei Herrn und Damen an der Tafelrunde, |
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Wo Sonnenlicht das Silber überspann |
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Und in gewählten Worten floh die Stunde. |
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Auch hier lag Brot, weiß wie der Wirtin Hand, |
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Wohlschmeckend in dem Dufte guter Sitten; |
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Er selber hielt's nun fest und mit Verstand, |
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Doch einem Fräulein war ein Stück entglitten. |
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O lassen Sie es liegen! sagt sie schnell; |
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Zu spät, schon ist er unter'n Tisch gefahren |
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Und späht und sucht, der treffliche Gesell, |
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Wo kleine seid'ne Füßchen steh'n zu Paaren! |
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Die Herren lächeln, und die Damen zieh'n |
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Die Sessel scheu zurück vor dem Beginnen; |
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Er taucht empor und legt das Brötchen hin, |
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Errötend hin auf das damast'ne Linnen. |
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Zu artig, Herr! dankt ihm das schöne Kind, |
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Indem sie spöttisch lächelnd sich verneigte; |
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Er aber sagte höflich und gelind, |
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Indem er sich gar sittsamlich verbeugte: |
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Wohl einer Frau galt meine Artigkeit, – |
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Euch aber diesmal nicht, verehrte Dame! |
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Sie galt der Mutter, die vor langer Zeit |
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Entschlafen ist in Leid und bitt'rem Grame. |