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[Frühe Fassung]


Erntelied

Wir schnitten die Ernte, wir Knaben und Dirnen,
Mit rüstigen Sicheln und triefenden Stirnen,
     Von rollenden Wolken bedroht.
Ein schmetternder Schlag – und die Hoffnungen starben!
5 Wir bringen die hastig geladenen Garben –
     Wir bringen das Brot.
Hoch thronet ihr Schönen, umschimmert von Blitzen,
Mit flatternden Haaren auf güldenen Sitzen –
     Wie schwellen die Lippen euch roth!
10 Zum Tanze, zum Tanze, zur fliegenden Runde!
Vom schäumenden Becher zum durstigen Munde
     Ist Raum für den Tod.
[Späte Fassung]


Schnitterlied

Wir schnitten die Saaten, wir Buben und Dirnen,
Mit nackenden Armen und triefenden Stirnen,
Von donnernden dunkeln Gewittern bedroht –
Gerettet das Korn! Und nicht einer, der darbe!
5     Von Garbe zu Garbe
    Ist Raum für den Tod –
Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!
Hoch thronet ihr Schönen auf güldenen Sitzen,
In strotzenden Garben umflimmert von Blitzen –
10 Nicht eine, die darbe! Wir bringen das Brot!
Zum Reigen! Zum Tanze! Zur tosenden Runde!
    Von Munde zu Munde
    Ist Raum für den Tod –
Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!

Entstehungsjahr: vor 1875
Erscheinungsjahr: 1876
Fassung: Frühe
Aus: Apparat zur Abteilung II. der Gedichte
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 2. Benteli-Verlag: 1964, S. 350.

Entstehungsjahr: vor 1875
Erscheinungsjahr: 1891
Fassung: Späte
Aus: Gedichte von 1892 / II. Stunde
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Benteli-Verlag: 1963, S. 83.