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[Andere Fassung]


Der Halligmatrose

Kapitän, ich bitt' euch, laßt mich fort,
O lasset mich frei, sonst lauf ich von Bord,
Ich muß heim, muß heim nach der Hallig!
Schon sind vergangen drei ganze Jahr,
5 Daß ich stets zu Schiff, daß ich dort nicht war,
Auf der Hallig, der lieben Hallig.
Nein, Jasper, nein, das sag' ich dir,
Noch diese Reise machst du mit mir,
Dann darfst du gehn nach der Hallig.
10 Doch sage mir, Jasper, was willst du dort?
Es ist ein so öder, armseliger Ort,
Die kleine, einsame Hallig.
Ach, mein Kapitän, dort ist's wohl gut,
Und an keinem Ort wird mir so zumut,
15 So wohl als auf der Hallig;
Und mein Weib hat um mich manch traurige Nacht,
Hab' so lang nicht gesehn, wie mein Kind mir gelacht
Und Haus und Hof auf der Hallig.
So höre denn, Jasper, was ich dir sag':
20 Es ist gekommen ein böser Tag,
Ein böser Tag für die Hallig;
Eine Sturmflut war wie nie vorher,
Und das Meer, das wildaufwogende Meer,
Hoch ging es über die Hallig.
25 Doch sollst du nicht hin, vorbei ist die Not,
Dein Weib ist tot, und dein Kind ist tot,
Ertrunken beid' auf der Hallig.
Auch die Schafe und Lämmer sind fortgespült,
Auch dein Haus ist fort, deine Wurt zerwühlt;
30 Was wolltest du tun auf der Hallig?
Ach Gott, Kapitän, ist das geschehn!
Alles soll ich nicht wiedersehn,
Was lieb mir war auf der Hallig?
Und Ihr fragt mich noch, was ich dort will tun?
35 Will sterben und im Grabe ruhn
Auf der Hallig, der lieben Hallig.
[Andere Fassung]


Der Halligmatrose

   Kapitän, ich bitt’ euch, laßt mich fort,
O lasset mich frei, sonst lauf ich von Bord,
Ich muß heim, muß heim nach der Hallig!
Schon sind vergangen drei ganze Jahr’,
5 Daß ich stets zu Schiff, daß ich dort nicht war,
Auf der Hallig, der lieben Hallig –
       Nein, Jasper, nein, das sag’ ich dir,
    Noch diese Reise machst du mit mir,
    Dann darfst du gehn nach der Hallig.
10     Doch sage mir, Jasper, was willst du dort?
    Es ist ein so öder armseliger Ort,
    Die kleine, die einsame Hallig.
   Ach, mein Kapitän, dort ist’s wohl gut,
Und an keinem Ort wird mir so zu Mut,
15 So wohl als auf der Hallig;
Und mein Weib hat um mich manch’ traurige Nacht,
Hab’ so lang’ nicht gesehn, wenn mein Kind mir gelacht,
Und Hof und Haus auf der Hallig.
       So höre denn, Japser, was ich dir sag’:
20     Es ist gekommen ein böser Tag,
    Ein böser Tag für die Hallig;
    Eine Sturmflut war wie nie vorher,
    Und das Meer, das wildaufwogende Meer,
    Hoch ging es über die Hallig.
25    Doch sollst du nicht hin, vorbei ist die Not,
Dein Weib ist tot und dein Kind ist tot,
Ertrunken beid’ auf der Hallig;
Auch die Schafe und Lämmer sind fortgespült,
Auch dein Haus ist fort, deine Wurt zerwühlt;
30 Was wolltest du tun auf der Hallig?
       Ach Gott, Kapitän, ist das geschehn!
    Alles soll ich nicht wieder sehn,
    Was lieb mir war auf der Hallig?
    Und ihr fragt mich noch, was ich dort will tun? –
35     Will sterben und im Grabe ruhn
    Auf der Hallig, der lieben Hallig. –

Entstehungsjahr: 1836-1860
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Andere
Referenzausgabe:
Kurd Schulz: Hermann Allmers. Werke. Sachse & Pohl Verlag, Göttingen: 1965, S. 363-364.
Bemerkungen
Das Entstehungsdatum des Gedichts ist an den Lebensdaten des Autors orientiert.

Entstehungsjahr: 1836-1902
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Andere
Aus: Bilder und Gestalten
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Dichtungen von Hermann Allmers. Schulzesche Hof-Buchhandlung und Hof-Buchdruckerei, Oldenburg und Leipzig: [1903], S. 77-78.
Bemerkungen
Das Entstehungsjahr des Gedichtes ist an den Lebensdaten des Autors orientiert. Der Band dürfte identisch sein mit »Sämtliche Werke«, hrsg. v. Schulze, Leipzig, ca. 1903, Bd. 5.