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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Wanderlied der Prager Studenten

Nach Süden nun sich lenken
Die Vöglein allzumal,
Viel' Wandrer lustig schwenken
Die Hüt' im Morgenstrahl.
5 Das sind die Herrn Studenten,
Zum Tor hinaus es geht,
Auf ihren Instrumenten
Sie blasen zum Valet:
Ade in die Läng' und Breite
10 O Prag, wir ziehn in die Weite:
Et habeat bonam pacem,
Qui sedet post fornacem!
Nachts wir durch's Städtlein schweifen,
Die Fenster schimmern weit,
15 Am Fenster drehn und schleifen
Viel schön geputzte Leut'.
Wir blasen vor den Türen
Und haben Durst genung,
Das kommt vom Musizieren,
20 Herr Wirt, einen frischen Trunk!
Und siehe über ein Kleines
Mit einer Kanne Weines
Venit ex sua domo –
Beatus ille homo!
25 Nun weht schon durch die Wälder
Der kalte Boreas,
Wir streichen durch die Felder,
Von Schnee und Regen naß,
Der Mantel fliegt im Winde,
30 Zerrissen sind die Schuh,
Da blasen wir geschwinde
Und singen noch dazu:
Beatus ille homo
Qui sedet in sua domo
35 Et sedet post fornacem
Et habet bonam pacem!





Entstehungsjahr: vor 1827
Erscheinungsjahr: 1826
Aus: Gedichte 1816-1830
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 254-255.
Bemerkungen
Erstdruck 1826 in »Aus dem Leben eines Taugenichts«, dort ohne Titel
1841 in »Joseph Freiherrn von Eichendorff's Werke. Erster Theil. Gedichte« unter dem Titel »Wanderlied der Prager Studenten«, S. 51-52 (=DV)

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.
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