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[Frühe Fassung]


[Da hatt ich einen Kerl zu Gast]

Da hatt ich einen Kerl zu Gast,
Der war mir eben nicht zur Last,
Ich hatt so mein gewöhnlich Essen.
Hat sich der Kerl pump satt gefressen
5 Zum Nachtisch was ich gespeichert hatt!
Und kaum ist mir der Kerl so satt,
Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,
Über mein Essen zu raisonieren.
Die Supp hätt können gewürzter sein,
10 Der Braten brauner, firner der Wein.
Der tausend Sackerment!
Schlagt ihn tot den Hund! Es ist ein Rezensent.
[Späte Fassung]


Rezensent

Da hatt’ ich einen Kerl zu Gast,
Er war mir eben nicht zur Last;
Ich hatt’ just mein gewöhnlich Essen,
Hat sich der Kerl pumpsatt gefressen,
5 Zum Nachtisch, was ich gespeichert hatt’.
Und kaum ist mir der Kerl so satt,
Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen
Über mein Essen zu räsonieren:
»Die Supp’ hätt’ können gewürzter sein,
10 Der Braten brauner, firner der Wein.«
Der Tausendsakerment!
Schlagt ihn tot den Hund! Es ist ein Rezensent.

Entstehungsjahr: 1774
Erscheinungsjahr: 1774
Fassung: Frühe
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 183.
Bemerkungen
Erstdruck im »Wandsbecker Boten« vom 9.3.1774, dort ohne Titel, später unter dem Titel »Der unverschämte Gast«.

Entstehungsjahr: 1774
Erscheinungsjahr: 1815
Fassung: Späte
Aus: Die Sammlung von 1815 / Parabolisch
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 2. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 373.